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Was bedeutet Farbmanagement? Was bedeutet es nicht?

Januar 25th, 2010 · Keine Kommentare

Es gibt die gebetsmühlenartig wiederholte Formel: In einer kalibrierten Arbeitsumgebung und durchgängiger Verwendung von ICC-Profilen sieht das gedruckte Bild so aus wie auf dem Monitor.

Für das Verständnis, was der tatsächliche Nutzen von Farbmanagement bzw. einer kalibrierten und profilierten Arbeitsumgebung für die Bildbearbeitung ist, ist diese Formel gelegentlich irreführend. Und das nicht nur deshalb, weil eine 100%ige Übereinstimmung von Druck und Monitorbild aus rein technischen Gründen gar nicht herzustellen ist. V. a. auch deshalb, weil der Bildeindruck auch in einer sauber kalibrierten Arbeitsumgebung entscheidend davon abhängt, in welchem Licht = mit welcher Lichtfarbe = bei welcher Farbtemperatur das Bild am Monitor und nach dem Druck betrachtet wird. Weitgehende Übereinstimmung zwischen Monitorbild und Druck erreiche ich nur, wenn ich das gedruckte Bild in einem ähnlichen Licht betrachte, wie es der Monitor vorgibt.

Was heisst das für den Nutzen, die Möglichkeiten und Grenzen von Farbmanagement?
Farbmanagement bedeutet zunächst die Ausmessung und Korrektur (Profilierung) aller beteiligten Geräte auf verbindliche Farbwerte, im zweiten Schritt dann die synthetische Verarbeitung all dieser einzelnen Werte in einer farbmanagementfähigen Software wie z. B. Adobe Photoshop, die durch Einbindung der verschiedenen Geräteprofile in den Bildbearbeitungs- und Druckprozess die “Kommunikation” der Geräte überwacht und aufeinander abstimmt. Farbmanagement erreicht also, dass z. B. ein “Blau” in einer kalibrierten und profilierten Arbeitsumgebung an allen Geräten nicht nur dieselben Farbwerte besitzt, sondern auch gleich aussieht.

Ist dies gelungen, wird unabhängig von der bei der Monitorkalibrierung eingestellten Farbtemperatur oder dem Gammawert ein “Blau” auf dem Monitor auch ein “Blau” im Ausdruck sein, ein Grün ein Grün etc.. Überprüfen können Sie dies, indem Sie in einer vollständig kalibrierten und profilierten Umgebung aus Photoshop oder einem anderen farbmanagementfähigen Programm mehrere Versionen derselben Bilddatei drucken und den Monitor jeweils auf eine andere Farbtemperatur oder ein anderes Gamma kalibrieren. Sie erhalten im Idealfall identische Ausdrucke, völlig unabhängig von der voreingestellten Farbtemperatur oder dem Gamma des Monitors!

Und nun zurück zu dem möglichen Missverständnis: Farbmanagement heisst nämlich nicht, dass das durch Profilierung zur Deckung gebrachte “Blau” oder “Grün” auf dem Monitor und im Druck gleich aussehen! Sie sehen immer so aus, wie das Licht, in dem sie betrachtet werden. Wenn allerdings das Licht, indem die Drucke betrachtet werden, dem Licht im Monitor entspricht, dann sehen die Drucke in einer kalibrierten und profilierten Umgebung ähnlich aus, wie auf dem Monitor, während dies in einer nicht-kalibrierten und profilierten Umgebung reiner Zufall wäre.

Welche Bedeutung hat dann die heiss diskutierte Wahl der Farbtemperatur und des Monitor-Gammas bei der Kalibrierung?
Hinsichtlich des Druckergebnisses eines profilierten und eingebundenen Druckers haben beide keine Auswirkung. Die Farben bleiben identisch, das Betrachtungslicht bestimmt den Bildeindruck. Man kann den Monitor also völlig zwanglos auf die Farbtemperatur  kalibrieren, in der die Ausdrucke später betrachtet bzw. präsentiert werden sollen und damit bereits vorab einen guten Eindruck von der späteren Bildwirkung erlangen. Das Gamma sollte sinnvollerweise so gewählt werden, dass es den Arbeitsfarbraum möglichst gut unterstützt. Im Fall von AdobeRGB wäre dies ein Gamma von 2.2.

Werden die Fotos für das Internet bearbeitet, ist zu beachten, dass die meisten Browser eingebettete Profile noch nicht unterstützen. Farben mit identischen Farbwerten werden so angezeigt, wie der Browser bzw der jeweilige Monitor sie “interpretiert”. Um wenigstens grob abschätzen zu können, wie die fertigen Fotos später auf den vielen verschiedenen Rechnern der Betrachter aussehen, macht es hier Sinn, Farbtemperatur und Gamma so vorzuwählen, dass es den meisten durchschnittlichen und nicht-kalibrierten Monitoren entspricht. Die Wahl wäre hier ein Gamma von 2.2 und eine Farbtemperatur zwischen 65oo K und 9300 K

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Tags: Farbmanagement

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